gemeinde auf dem weg

In der evangelischen Kirche in Pforzheim erfolgt derzeit eine große Umstrukturierung. Es ist ein nicht so leicht durchschaubarer Prozess. Auf dieser Seite unserer Homepage versuchen wir – vorrangig für die Markus- und Thomasgemeinde – darzustellen, welche Schritte bedacht und gegangen werden. Ältere Beiträge dazu befinden sich am Ende dieser Seite. Der aktuellste steht jeweils ganz oben. AnsprechpartnerInnen für Fragen und Ideen sind sowohl die Pfarrerinnen, als auch die Ältesten unserer Gemeinden. 

GEISTLICH SPRACHFÄHIG WERDEN – UND BLEIBEN

Seit jeher geben Menschen ihr Wissen und ihre Werte weiter, leben ihren Glauben, stehen Rede und Antwort, wo andere, z. B. nachfolgende Generationen, Fremde oder einfach Interessierte danach fragen. Diesen Schwerpunkt, den Markus und Thomas da in den Blick genommen haben, könnte man auch kurz Bildung nennen. Denn auf die oben beschriebene Weise bilden sich Menschen, Individuen, Charaktere. Doch wenn Kirchengemeinde sich diesen Schwerpunkt setzt, ist Bildung vielleicht ein irreführender Begriff, auch wenn er durchaus zutrifft. Denn was hier vorgestellt, gelebt und zur Verfügung gestellt werden soll, hat einen Blickwinkel, der den Menschen als Gottes Geschöpf und Subjekt seiner Liebe wahrnimmt.

An diesem Ausgangspunkt setzen wir an und stellen unsere Fragen, teilen unser Wissen, suchen die Antworten, die weiterführen – egal, um welches konkrete Thema es gerade geht. Dies geschieht bereits und soll für die sich ändernden Verhältnisse doch auch neu angeschaut, durchdacht und umgesetzt werden.

Durch die regionale Zuordnung eines Diakons mit dem Schwerpunkt Kirche und Schule, liegt es nahe, zu schauen, wie wir auch vermehrt den jüngeren Generationen Einblick gewähren können in das, was uns wichtig ist, in das, was wir glauben und leben als Christinnen und Christen in unserer Gottesbeziehung und in unserer Kirche. Wie können wir dazu einladen, dass junge Menschen sich das nötige Wissen aneignen, aufgrund dessen sie eigen­verantwortlich Position beziehen können – zu Gott und der Welt? Das ist eine der Fragen, die uns in diesem Zusammenhang beschäftigt.

Und wir freuen uns, wenn Menschen Lust haben, sich einzubringen in die Arbeit, die daraus erwächst.

FARBIGE VIELFALT  -  BEI UNS?!

Damit Markus und Thomas in den nächsten Jahren mit den drei Innenstadtgemeinden fusionieren können, muss evangelische Kirche in der Nordstadt nicht neu erfunden werden. Sie existiert bereits. Und die Menschen, die mit ihr und in ihr leben und sie mitgestalten, wissen um den Wert, den diese Kirche für sie hat.

Im Rahmen der Umstrukturierung hat die Synode der evangelischen Kirche in Pforzheim beschlossen, dass die einzelnen Standorte durch einen Schwerpunkt gekennzeichnet sind, der die Arbeit vor Ort charakterisiert und gleichzeitig die Gesamtheit des Evangelischen Dekanats Pforzheim Stadt bereichert. Wie bereits erwähnt, heißt der Schwerpunkt in der Altstadtgemeinde Diakonie, in der Michaelsgemeinde Ökumenische Citykirche und in der Stadtkirchengemeinde Musik.

So kurz und prägnant lässt sich der gemeinsame Schwerpunkt für Markus und Thomas bisher nicht ausdrücken. Die Gemeinden haben unterschiedliche Strukturen entwickelt und sprechen z.T. verschiedene Zielgruppen an. Dennoch fand sich bei der Suche nach einem gemeinsamen Schwerpunkt eine Formulierung, die eine zusammenführende Spur legt für die zukünftige Arbeit:

Geistlich sprachfähig werden - und bleiben. Das ist ein verbindender und Generationen und Lebensformen übergreifender Wunsch: Wir möchten dazu beitragen, dass Menschen herausfinden und dann auch für sich und vor anderen formulieren können, wie das ist, mit ihnen und ihrem Leben und Sein in dieser Welt. Welche Quellen nähren? Welche Zusagen tragen? Welche Beziehungen fördern? Welche Werte und Informationen taugen für Standortbestimmung und Weg-Suche?

Klingt das zu abstrakt, zu allgemein, zu abgehoben?

FARBIGE VIELFALT  -  IN ARBEIT

Markus und Thomas müssen noch für sich herausfinden, mit welchen Flächen und Arbeits-Schwerpunkten, sie sich ihre Zukunft vorstellen können. Diesen Klärungs-Prozess haben die Gemeinden an der Altstadt-, der Stadt- und der Schloßkirche inzwischen hinter sich. Hier ist bereits die Umsetzung-Phase angebrochen.

Ein Blick in die Innenstadt zeigt:

Die Altstadtgemeinde verabschiedet sich von ihrem großen Gemeindehaus und wird in Zukunft ihre lebensfrohe Arbeit mit Schwerpunkt „Diakonie“ in der Kirche und im Kirchenanbau (sogenanntes „Säle“) zu leisten versuchen. Ein für viele schmerzhafter Abschied, und gleichzeitig ist da viel Mut, Entschlossenheit und Zuversicht, die Herausforderungen der neuen Rahmen­bedingungen anzunehmen und zu meistern.

Die Michaelsgemeinde an der Schloßkirche hat ihr Gemeindehaus und das Pfarramt an die Stadt Pforzheim verkauft und wird sich „vor Ort“ in Zukunft mit dem begnügen müssen, was die Schloßkirche hergibt. Der Schwerpunkt „Ökumenische Citykirche“ gepaart mit einem weiten Spektrum an unterschiedlichsten Gottesdienst-Formaten und besonderen Konzerten bzw. Events soll hier auch in Zukunft voll zur Entfaltung kommen. Dafür machen sich Pfarrerin und  Ältestenkreis stark.

Die Stadtkirche verliert mit dem Verkauf des Lutherhauses ebenfalls Räumlichkeiten, die für den Schwerpunkt „Musik“ eine wichtige Rolle gespielt haben. Außerdem muss das Gemeindehaus an der Rennfeldstraße  mitsamt ehemaligem Pfarrhaus an der Melanchthonstraße weichen und Platz machen für einen neuen Gebäudekomplex, der neben den Büros und gemeinsamen Gemeinderäumen für die drei Innenstadtgemeinden auch das Kantorat, das Dekanat, das Schuldekanat, die Kirchverwaltung und die Diakonischen Werke Pforzheim Stadt und Land beheimaten soll.

Drei Beispiele, die zeigen, wie Gemeinden auf dem Weg sind, um die Arbeit, die ihnen am Herzen liegt, auch mit reduzierten eigenen Flächen und schmalerem Budget weiter zu leisten und sich die Freude daran nicht nehmen zu lassen.

REGION NORD & REGION MITTE

Die beiden Nordstadtgemeinden Markus und Thomas haben weitere Weggefährt*innen gefunden. Es sind die drei Innenstadtgemeinden an der Altstadt-, der Stadt- und der Schlosskirche. Erste Zusammenkünfte von Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakonin und Diakon sowie den Ältestenkreisen machten schnell deutlich, dass es ein JA zueinander und zu der gemeinsamen Zukunft gibt. Dabei ist allen sehr wohl bewusst, was für eine riesige Aufgabe es ist, fünf Gemeinden so aufeinander abzustimmen, dass sie zusammenwachsen können zu einer Gemeinde und dabei kein Grau ergeben, sondern farbige Vielfalt den großen Raum erfüllt. Es ist allen klar: Das stemmen wir nicht mal eben so. Das wird viel Arbeit werden, da werden Fehler vorkommen, da ist mal für die einen, mal für die anderen vielleicht auch mit schmerzhaften Zugeständnissen zu rechnen.  

Als Zeitpunkt der Fusion ist das Jahr 2019 im Blick – wenn die Amtszeit der jetzigen Ältesten endet. Für die vielen Schritte, die wir bis dahin noch gehen müssen, haben wir uns auch in dieser Runde Begleitung gesucht. Ein „Fahrplan“ wurde aufgestellt. Und unterstützt durch das Beraterteam geht es jetzt darum, an den einzelnen Stationen zu erledigen, was ansteht. 

MARKUS & THOMAS

Schon ehe der Strukturprozess uns dazu „nötigte“, gab es in unseren beiden Gemeinden ein gutes Neben- und Miteinander, den Wunsch das zu erhalten und zu gestalten und dann im Laufe der Zeit auch zunehmend Gemeinsames. Wir nehmen also eine vorhandene Bewegung auf und intensivieren sie, wenn wir heute gezielt auf ein Zusammenwachsen hindenken und –arbeiten: Hier ein paar Beispiele:

Wir haben uns einen Hausmeister „geteilt“, heute eine Mitarbeiterin im BfD. Es gibt einen gemeinsamen Gemeindebrief und die Zeiten, in denen die Pfarrämter besetzt sind, sind aufeinander abgestimmt. Im Posaunenchor der Markusgemeinde fanden Bläserinnen und Bläser aus der Thomasgemeinde Aufnahme, und inzwischen im zweiten Jahr gibt es für Jugendliche aus beiden Gemeinden eine gemeinsame Konfi-Zeit und Konfirmation. 2016 gab es den ersten gemeinsamen Gemeinde-Ausflug und schon zahlreiche gemeinsame Gottesdienste nach dem neuen Gottesdienst-Modell. Wir laden bewusst gegenseitig zu unseren Kreisen und Gruppen ein und wollen den Blick dafür öffnen, dass diese zwar an unterschiedlichen Orten stattfinden und ihre Wurzeln in verschiedenen Gemeinden haben, dass aber ihr Wert/ihre Bedeutung nicht vom Erhalt  alter Gemeindestrukturen abhängig ist.

Uns ist klar, dass im Verlauf des Zusammenwachsens auch schwierige und schmerzhafte Entscheidungen getroffen werden müssen. Und so haben wir uns für diesen Prozess professionelle Begleitung gesucht.

Uns ist ebenfalls klar, dass wir auch zu zweit noch „zu klein“ wären, um auf Grundlage der Zahlen, finanziell überlebensfähig zu sein. Deshalb haben wir weitere WeggefährtInnen gesucht – und gefunden.

ZAHLEN HABEN NICHT DAS LETZTE WORT

Es mögen die Zahlen sein, die uns auf einen neuen Weg drängen. Doch wie wir ihn gehen, mit wem und auf welche Ziele hin, ist damit nicht vorgegeben. Pfarrerinnen und Älteste unserer beiden Gemeinden haben sich früh entschlossen, den Zwang, der dem Aufbruch zugrunde liegt, nicht zu leugnen, doch gleichzeitig den neuen Weg als Chance wahrzunehmen und zu nutzen.

Auch der neue Weg soll ein Weg sein, auf dem Gott uns begleitet, begegnet, berührt, bewegt … Und wer mag und kann, ist herzlich eingeladen diese Weg-Suche in das eigene Gebet/das persönliche Gespräch mit Gott hineinzunehmen.

Die Markus- und die Thomasgemeinde sind in regionaler Nachbarschaft schon einige Jahre zumindest auf Teilstrecken gemeinsam unterwegs. Um den Zahlen Rechnung zu tragen und finanziell existenzfähig zu bleiben, ist jedoch mehr nötig. Ein Mehr an Zusammenwachsen und ein Mehr an WeggefährtInnen. 

HINHÖREN, WENN „ZAHLEN SPRECHEN“

Allen Beteiligten wäre es sicher lieber, das nicht zu tun. Aber ein Weghören würde die Fakten nicht ändern. Also hören und sehen wir hin und stellen uns der Tatsache, dass es die finanzielle Situation der Gemeinden aufgrund von schwindenden Mitgliederzahlen nicht mehr erlaubt, in bisheriger Form weiterzuleben.

Viele Gebäude sind in die Jahre gekommen und erfordern Investitionen. Und gemessen an den aktuellen und für die Zukunft prognostizierten Mitgliederzahlen, haben die meisten Gemeinden auch mehr Gebäudefläche als ihnen „zusteht“ und somit aus Kirchenmitteln bewirtschaftet und erhalten werden kann.  

Eine derartige „Rechnung“ präsentiert zu bekommen, löst vielfältige Emotionen aus. Wehmut, … Trauer, … Empörung, … Enttäuschung, … Wut. Vieles dazwischen und manches mehr. Pfarrerinnen und Ältesten der Markus- und Thomasgemeinde ist es wichtig:

1. neben den Zahlen auch die Menschen zu hören und zu sehen

2. den Aussagen der Zahlen nicht das „letztes Wort“ zu überlassen